Unser Anliegen — Wir leben in einer Zeit der sich auflösenden familiären und anderen sozial verläßlichen Strukturen sowie in einer Episode der ethischen und biologischen Wandlungen. Der Mensch sieht sich mit einer wachsenden Anforderung im Bezug auf Selbstwert und Zukunftsgestaltung konfrontiert, demgegenüber ein Mangel an Möglichkeiten persönlicher Anbindung und wirtschaftlicher Souveränität steht. Angebote zwecks Besinnung und Rückbindung, besonders in der Lebens- und Generationenschau, fördern den Menschen hin zu einem konstruktiven Selbstverständnis und einer klaren Weltsicht. In diesem Sinne und mit seiner Präsenz wirkt der Verein Gedächtnisstätte entgegen dem Verblassen, Vergessen und Fragmentieren der das Individuum in seinem Dasein untermauernden und bildenden Lebensgeschichte seiner Vorfahren und widmet sich dazu der Aufarbeitung zutiefst menschlicher Fragestellungen, wie denen nach Herkunft, Historie, Identität und Lebenssinngestaltung. Der Erfüllungsort ist ein geschützter Raum, der ein würdevolles, persönliches Andenken an dahingegangene Generationen, deren Schicksal und die damit verbundene Gesundung der Lebenden gestattet. Der inhaltliche Rahmen ist somit die Pflege von Erinnerungskultur sowie eines im weitesten Sinne hilfreichen und thematisch relevanten Forschungs- und Vortragswesens.

 

Millionen Kriegsopfer wurden nie gefunden — eine psychologische Katastrophe! Für die Toten, Geschundenen und Geplagten der jüngeren Geschichte unseres Volkes ist ein würdiges Denkmal mitten in Deutschland errichtet worden. Wir gedenken hier dem Leid der Frauen, Kinder und Greise sowie aller unserer wehr- und waffenlosen Landsleute, die im Laufe des Zweiten Weltkrieges und in der Not danach ihre Lieben, Nächsten, Heimat, Hab und Gut, Gesundheit und Leben verloren haben. Es sind Ihrer Millionen, deren Grab man nie fand, weil sie unter Hilfeschreien in der kalten Ostsee ertranken, vergewaltigt und erschlagen irgendwo am Straßenrand liegen blieben, namenlos in den Feuerstürmen der Bombennächte zu Asche verbrannten oder verhungert und zu Tode gequält in bis heute unbekannten Massengräbern verscharrt wurden. Diese entsetzlichen, oft anonymen, also vom nachvollziehbaren, persönlich zu betrauernden Einzelschicksale getrennten Fluten unvorstellbarer Leiden brennen in den Herzen der angehörigen Hinterbliebenen und — oft unbewusst — kollektiv in der deutschen Volksseele. Die millionenfach dem Körper und der Seele entäußerten Gefühle der Beklagten, wie die des Hungerns, Frierens, Fronens, Fliehens und Fürchtens, der Entehrung, der Verlassenheit, der Todesangst und Todesqual schweben wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der Lebenden. In einer Ära des Verschweigens und Verblendens der Ereignisse wird der Erlebnisgeneration der heilende Zugang über das Herzgefühl und den Nachgeborenen die Läuterung durch die tätige Ehrung der Eltern und Großeltern verwehrt. Das ist eine psychologische Katastophe, die ihresgleichen sucht!

Eine würdige Gedenkstätte — Ruhestatt der Generationen 
Weltweit wird der Opfer schwerwiegender, völkergeschichtlicher Ereignisse gedacht. So auch in Deutschland. Wir verneigen uns in angemessener Weise auf deutschem Boden im Gedenken der soldatischen Opfer der Kriege in internationalen Versöhnungsstätten. Doch wo findet das ehrende Andenken für die Abermillionen zivilen deutschen Kriegsopfer statt? Wo, die persönlich und kollektiv unentbehrliche Trauerarbeit für all diese deutschen Söhne, Töchter, Mütter und Väter? Es galt, dieses schwerwiegende Versäumnis zu tilgen, indem ihnen nunmehr ein würdiges Denkmal errichtet wurde. Der Verein Gedächtnisstätte hat es sich zum Anliegen gemacht, einen in Deutschland zentral gelegenen Ort zu pflegen, der allen geschichtlich Suchenden und Trauernden den Rahmen für eine persönliche Wiederanbindung an das deutsche Schicksal stellt. Nahezu jede Familie birgt Lebende oder bereits Verstorbene, die in den Wirren des Krieges litten und starben — ungeachtet von  politischer oder konfessioneller Ausrichtung. Somit ist auch dieser Ort unbedingten, offenen Wesens.

Erinnern und achten
Die Gedächtnisstätte soll zudem eine Brückenfunktion zwischen den Generationen erfüllen, fördert daher die Begegnung und das Hörensagen zwischen jung und alt. Wer kann sich als Nachkriegsgeborener heute unsere glänzenden Städte als Trümmerlandschaft, das brutale Ableben gleich mehrerer Familienmitglieder oder eine Vertreibung von Haus und Hof innerhalb weniger Stunden vorstellen? Dieses Schicksal, das ein Großteil unseres Volkes erlitt, einmal vor Augen geführt, mag Kindern und Kindeskindern als leiser Mahner zu stillem Dank dafür bewegen, daß ihnen dies bisher erspart blieb. Eine so erlangte innere Haltung soll dann fruchtbar werden und weiteres Leid verhindern; denn Achtung gebührt jedem Volk, das sich treu zu seinem Schicksal bekennt. Auch heutezutage werden weltweit immer noch Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, gepeinigt, geschunden, im Bombenterror getötet und bewusst entwurzelt entgegen allen UN- und KSZE-Beschlüssen und Verträgen. Unbedingt auch hier möchte die Gedächtnisstätte über die eigenen Grenzen hinaus mahnend und anhaltend wirken.

Gutes darf gelingen
Dem Gedenken der Millionen deutschen Toten die Ehre zu geben, die Gelder für Anlage und Gestaltung der einigenden und einzigen Trauerstätte in Deutschland zu erübrigen, dazu wollte sich die öffentliche Hand weder damals — zur Gründung vor nunmehr 28 Jahren — noch heute, hergeben. Wohingegen ähnlich zweckgebundene Organisation, wie z.B. die im Jahre 2000 vom BdV begründete Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“, auf Subventionen und Unterstützung setzen dürfen. Den Unterschied macht offenbar die Zielsetzung aus: Eine Verlautbarung, die nur dem eigenen Volke zu teil wird, ist staatlicherseits nicht vorgesehen, ja — wie wir erfahren mußten — unerwünscht. Genau das aber ist unser substantielles Anliegen: Die klare und unzweideutige Würdigung und Integration der uns alle unmittelbar berührenden Ereignisse unserer Volksgeschichte in der notwendigen, historisch tatsächlichen Form. Darüberhinaus folgen wir dem uralten, menschlichen Bedürfnis und Brauchtum, der eigenen Toten zu gedenken. Das kontinuierliche Gedeihen der Gedächtnisstätte bestätigt den Bedarf unserer aufrichtigen Haltung durch vielfaches, persönliches Anerkennen: Die Idee  wurde ausschließlich mittels privater Förderung und ehrenamtlicher Bemühung belebt und verwirklicht und darf allem Widerstand zum Trotz wachsen und gelingen!